Fidèles, fidèls
Residenzausstellung
ORT: Casino Display, 1, rue de la Loge, L-1945 Luxembourg
Sich treu bleiben. Treue ist kein politischer Begriff per se. Sie bildet vielmehr eine grundlegende Voraussetzung für Widerstand und Aufstand. Ob in politischen, spirituellen, kulturellen, gemeinschaftlichen oder familiären Kontexten, ob historisch oder zeitgenössisch – Treue wirkt stets mit. Sie verkörpert jene Beweglichkeit und Nuancierung, die zugleich Kontinuität und fortwährende Anpassung ermöglichen.
Im Rahmen seiner Recherche versteht Céleste Thouin Treue als die Notwendigkeit, die eigene Praxis zu hinterfragen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Arbeit mit Fotografien, Videos, Erzählungen, Archivdokumenten und traditionellen Praktiken fordert uns auf, darüber nachzudenken welche Kontinuitäten es zu bewahren gilt im Angesicht dessen, was wir nicht (mehr) sind und was wir künftig sein möchten. Treue wird hier somit als kritische Haltung begriffen, um den Risiken liberaler und reaktionärer Aneignung und Vereinnahmung entgegenzuwirken.
Die Ausstellung Fidèles, fidèls schöpft ihre Inspiration aus okzitanischen Gedichten und Liedern. Objekte erscheinen wie Sätze, gebildet aus Wörtern in rötlichen, braunen und naturweißen Farben. Durch die Herstellung handwerklicher Objekte folgt knüpft Céleste Thouin an eine fast vergessene, nahezu verlorene Poesie an. Seine Recherche im Casino Display schärft den Blick und lenkt die Aufmerksamkeit – zunächst auf die Materialien, dann auf deren schrittweise Verwandlung. Dabei entstehen Zusammenarbeiten und geteiltes Wissen: etwa große Wolltücher, die aus in den Pyrenäen erworbenen Vliesen gesponnen, im Cantal gemeinsam gekämmt und schließlich von Lily Weisgerber in Luxemburg gewoben werden. Eiche wird behauen, Buchsbaum gesägt und Fichte gemeinsam mit Théophile Peris verleimt; Mist wird gemischt und Bronze mit Alassane Dermé gegossen – im Sinn einer ganz eigentümlichen Art, die Suche nach einer zugleich politischen und poetischen Position zu zeichnen.
*Der Titel lehnt an das okzitanische Gedicht „ Rouergue, si“ (1969) von Ives Roqueta an.
Foto © Théophile Peris