Notes on Weathering
Notes on Weathering markiert den Auftakt des FORA-Sonderprogramms mit Ausstellungen und Veranstaltungen zum 30-jährigen Jubiläum des Casino Luxembourg. Das von Bianca Bondi (*1986 in Johannesburg, Südafrika, lebt und arbeitet in Paris) für das Untergeschoss des Gebäudes konzipierte Work in Progress entwickelt sich über ein ganzes Jahr hinweg gemäß einer subterranen, kontinuierlichen und geräuschlosen Zeitlichkeit. Die Räume in dem ansonsten nicht öffentlich zugänglichen Kellergeschoss zeichnen sich durch Feuchtigkeit, Dunkelheit und Mineralität aus. Sie bilden ein aktives Milieu, das dem Wirken der Zeit und den damit einhergehenden Prozessen der Zersetzung, Ablagerung, Korrosion und Transformation ausgesetzt ist.
Der englische Begriff „weathering“, also „Verwitterung“, bezieht sich auf die kaum wahrnehmbaren, aber unumkehrbaren Prozesse der Veränderung, die Materialien im Laufe der Zeit durchlaufen. In Bondis Installation werden diese Phänomene weder dargestellt noch inszeniert, sondern als Kräfte verstanden, die in der Lage sind, Materie, Form und die Beziehungen zwischen Elementen schrittweise zu verändern. Das Wort „notes“ wiederum deutet auf einen dokumentarischen, fragmentarischen und offenen Ansatz hin. Dementsprechend stellt sich das Projekt nicht als einheitliches oder fertiges Werk dar, sondern als eine Abfolge von Beobachtungen, Spuren und Übergangszuständen, die in Raum und Zeit verteilt sind. Mit jeder neuen Aktivierung werden Prozesse in Gang gesetzt, die sich im Laufe der Zeit unabhängig von der Anwesenheit der Künstlerin entfalten und über den ursprünglich belegten Raum hinaus ausbreiten werden. Das Prinzip der Propagation wird so zum Modus Operandi des Projekts und erlaubt es den Räumen, sich gegenseitig zu beeinflussen, die Spuren früherer Aktivierungen zu bewahren und in einen zeitverzögerten Dialog miteinander zu treten.
Die künstlerische Praxis von Bianca Bondi steht in einem engen Verhältnis zu dieser Art von Umgebung. Ihre Arbeiten basieren auf sensiblen Materialien, die auf ihre Umgebung reagieren und von reaktiven, transformativen und ausufernden Phänomenen aktiviert werden. Sie entfalten sich als offene Systeme, die den Einflüssen ihrer Umgebung und einer erweiterten Zeitlichkeit unterliegen, und sich so der Logik der Kontrolle, Erhaltung und unmittelbaren Sichtbarkeit entziehen.