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HANNES

PROLOGUE | Opening Night

Künstler*in(nen)
Céleste Thouin, Zohra Mrad, Milo Hatfield, Rari Matei

ORT: Casino Display, 1, rue de la Loge, Luxemburg

Abschluss der Residenz: Céleste Thouin

Stand your ground. Loyalität ist kein politisches Konstrukt. Sie ist eine grundlegende Bedingung für Widerstand und revolutionäre Bewegungen. Ob im politischen, spirituellen, kulturellen, gemeinschaftlichen, familiären, historischen oder zeitgenössischen Kontext – Loyalität spielt eine Rolle. Sie verkörpert die Flexibilität und Nuancen, die sowohl Kontinuität als auch ständige Anpassung versprechen.

In seiner Forschung versteht Céleste Thouin Loyalität als die Notwendigkeit, die eigene Praxis zu hinterfragen und herauszufordern. Mit Fotos, Videos, Geschichten, Archivschriften und traditionellen Techniken zwingt uns der Künstler dazu, zu reflektieren, an welcher Kontinuität wir festhalten sollten angesichts dessen, was nicht wir ist, was nicht mehr wir ist, und was wir zu werden anstreben. In diesem Zusammenhang wird Loyalität oder Treue als kritische Position verstanden, um den Risiken von Aneignung sowie liberaler und reaktionärer Vereinnahmung entgegenzuwirken.

Die Ausstellung Fidèles, fidèls* basiert auf okzitanischen Gedichten und Liedern sowie auf Objekten wie Sätzen aus rostigen, roten, braunen und écru-farbenen Wörtern. Durch die Herstellung handwerklicher Objekte verfolgt Céleste Thouin die Spuren einer Poesie, die teils tot, teils vergraben ist. Seine Forschung am Casino Display ist eine Übung in Achtsamkeit: zunächst gegenüber den Materialien, dann gegenüber ihrer allmählichen Transformation.

Thouin arbeitet in einer Vielzahl von Arbeits- und Herstellungsbeziehungen: Spinnen großer Wolltischdecken aus in den Pyrenäen gekauften Schafen, gemeinsam gekämmt im Cantal, und dann gewebt von Lily Weisgerber in Luxemburg; Eichen schnitzen, Buchsbaum sägen und Fichten verleimen mit Théophile Peris; Mist mischen und Bronze gießen mit Alassane Dermé. All dies dient auf eigentümliche Weise dazu, die Suche nach einer politischen und poetischen Position zu skizzieren.

*Der Titel der Ausstellung ist inspiriert von einem okzitanischen Gedicht von Ives Roqueta, „Rouergue, si“ (1969).

Eröffnung der Residenz: Zohra Mrad

Diɇgest – mit Catherine Guesde

Diɇgest ist ein Kokon, der zu Bewegung einlädt, als Mittel, intensive emotionale Erfahrungen zu beruhigen und zu verarbeiten. Anstatt das Publikum in einen virtuellen Raum zu projizieren, fördert diese immersive audiovisuelle Installation eine verkörperte Erfahrung, die im gegenwärtigen Moment verankert ist. Inspiriert von aktuellen Forschungen zu Trauma, Neuroplastizität und somatischen Methoden, schafft diese generative und interaktive Installation einen spielerischen Raum, der Techniken zur Bildung neuer neuronaler Bahnen hervorhebt. Die Bewegungen des Publikums steuern die Klänge und Bilder und bieten eine alternative Möglichkeit, den eigenen Körper und die Welt um sich herum wahrzunehmen.

Zohra Mrad

Zohra Mrad ist eine multidisziplinäre tunesisch-luxemburgische Künstlerin und Designer·in mit Sitz in Luxemburg. Iel schaffen immersive, interaktive und generative Erfahrungen. Ihre Arbeit fördert einen Dialog zwischen menschlicher Erfahrung und Technologie und ermutigt das Publikum, vom passiven Beobachter·in zum aktiven Teilnehmer·in und Mitgestalter·in zu wechseln. Ihre Herangehensweise ist kollaborativ, zirkulär und inklusiv. Mrads Praxis ist inspiriert von – und manchmal eng verbunden mit – Kinästhetik, Heilung, Chaos und der experimentellen und/oder extremen Musikszene. Iel erforschen, wie Erfahrungen uns helfen können, in der Welt um uns herum zu überleben und zu leben. Mrad ist Mitbegründer·in der künstlerischen Residenzen VIVID ECHOES in Luxemburg, des Magazins foehn und der Kollektive Sirr al-’Asrâr, Zolei und B-Saad. Iel sind außerdem aktive Mitglieder von Mooja und Grave Erreur.

Catherine Guesde

Catherine Guesde betreibt sowohl theoretische als auch kreative Forschung rund um Klang. Sie entwickelt eine rohe und experimentelle Praxis auf der E-Gitarre, solo (unter dem Namen Cigvë) oder in Kollaboration (mit Richard Comte, Céleste Gatier, Hervé Boghossian, Kole Galbraith u. a.). Kürzlich leitete sie ein Orchester aus E-Gitarren und Bässen (Signal Project im Confort Moderne, Poitiers). Sie trat in zahlreichen institutionellen Einrichtungen und Festivals auf, darunter La Muse en Circuit – Centre National de Création Musicale (CNCM), sowie in zeitgenössischen Kunstzentren und Underground-Kontexten in Frankreich und international. Darüber hinaus betreibt sie philosophische und praxisorientierte Forschung, die Mythologie und Erfahrungen kontinuierlichen Klangs untersucht. Zusammen mit Pauline Nadrigny schrieb sie The Most Beautiful Ugly Sound in the World: Listening to Noise (Éditions Musica Falsa), editierte den Sammelband Penser avec le punk (Presses Universitaires de France) und co-editierte Croire au black metal mit François Vesin (Audimat éditions).

Risodence: Milo Hatfield

Risodence ist ein Format für kurze Residenzen. Diese einwöchigen Residenzen bieten Künstler·innen, Grafiker·innen und Illustrator·innen die Möglichkeit, mit dem Risographen zu experimentieren und Forschungen durchzuführen, die die Grenzen ihrer kreativen Praxis erweitern.

Milo Hatfield ist ein multidisziplinärer Künstler, der zwischen Den Haag (NL) und Luxemburg lebt und arbeitet. In seiner Praxis nutzt Milo visuelle Referenzen und Symbole, um die banalisierten Ungerechtigkeiten der zeitgenössischen Welt zu thematisieren. Indem er das Subtile und Widersprüchliche erforscht, entwirft und baut er groteske, surreale Installationen und Requisiten. Durchdrungen von einer melancholischen Atmosphäre trägt die bittersüße Qualität seiner Arbeit eine unheilvolle Nuance. Das Publikum wird eingeladen, einen Moment der Selbstreflexion einzulegen und eigene Assoziationen zu erkunden. Das Ernsthafte und Nachdenkliche ist dabei ebenso wichtig wie das Verspielte und Naive.

Mentor: Ellen de Haan

 

périscope: Rari Matei

périscope ist eine dioramaartige Installation, die in einem kleinen, bodennahen Fenster im Casino Display installiert ist. Sie wird durch In-situ-Kreationen aktiviert, bei denen die eingeladenen Künstler·innen ein Projekt mit bewegten Bildern entwickeln.

Rari Matei, wohnhaft in Luxemburg, ist eine 25-jährige gender-queere rumänisch-portugiesische Filmemacher·in und visuelle Künstler·in. Seit zwei Jahren ist Rari Matei künstlerische:r Leiter:in von C’est Karma, wo iel dazu beiträgt, die kreative Vision der Künstler:innen in Luxemburg und international zu gestalten.

Während der Zusammenarbeit mit Two Steps Twice und dem Produzenten Tun Biever hat Rari Matei mehrere Musikvideos für Künstler:innen wie MAZ, Francis of Delirium und C’est Karma realisiert, alle unterstützt vom Film Fund Luxembourg. Obwohl ihre Ausbildung ursprünglich auf visuelle Kommunikation ausgerichtet war, wandte sich Rari Matei natürlich dem Film zu. Mit Two Steps Twice entwickelte und realisierte iel 2023 in Berlin ihren ersten Kurzfilm Oizys. Der Film feierte im März 2024 Premiere beim Luxembourg City Film Festival in der Sektion Made in/with Luxembourg.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat Rari Matei kürzlich Apartamentul 06 fertiggestellt, ihren zweiten Kurzfilm und ersten Carte Blanche-Projekt, das soeben die Postproduktion abgeschlossen hat und nun bereit für die Verbreitung ist.

Mentor: Stephen Korytko

Stephen Korytko ist ein Regisseur für narrative und kommerzielle Filme. Seine Ausbildung im Bereich Ton und seine Erfahrung als Werbefotografie-Direktor prägen seinen sorgfältigen Ansatz beim Filmemachen, bei dem die Atmosphäre genauso wichtig ist wie die Bildkomposition. Zu seinen bisherigen Arbeiten gehört der Kurzfilm The Golden Record (2023). Zu seinen kommenden Projekten zählen sein erster Spielfilm Dead Dad Girl sowie eine künstlerische Installation in Zusammenarbeit mit dem Musiker Antoine Honorez, beide für 2026 geplant.

Ausstellungen
FORA
PROLOGUE | 5 Jahre Casino Display
Künstlerresidenz

Freier Eintritt

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