Restitution de résidence
ORT: DIALOGUE , 35, Grand-Rue L-9530 Wiltz
Kevin Barois und Sam Krack lernten sich durch ihre Arbeit beim Aufbau von Ausstellungen im Casino Luxembourg kennen. Hier kreuzen sich künstlerische Praktiken – unabhängig von ihrer Form – mit manueller und handwerklicher Arbeit, die kollektiv und fernab der Öffentlichkeit ausgeführt wird. Obwohl die beiden Künstler später Alltagserfahrungen teilten und Seite an Seite in einem gemeinsamen Atelier in Sète, Frankreich, arbeiteten, ergab sich nie wirklich die Gelegenheit, ein gemeinsames Projekt zu realisieren.
Ihre Absicht für die Residenz bei DIALOGUE Wiltz war es, anzukommen und eine Ausstellung einzurichten, wie sie es schon so oft gemeinsam getan hatten – diesmal jedoch ohne Pläne, ohne begleitende Künstlerinnen oder Künstler, die unterwegs dazustoßen könnten. Alles bleibt zu erfinden. Künstlerische Praxis verstanden als Arbeit, an der Schnittstelle von Handwerk und Landwirtschaft. Baumaterialien begegnen konzeptuellem Denken. Die Bündelung von Fähigkeiten und der Austausch als Ausgangspunkt – und der Wunsch, gemeinsam etwas zu produzieren. Machen, aber anders.
Sam Krack
Sam Kracks Blick dringt in die unscheinbaren Details des Alltags ein: beiläufige Fotografien aus Versicherungsberichten oder Kleinanzeigen für gebrauchte Gegenstände; häusliche Räume, in denen sich unsere banalen Besitztümer ansammeln und von der Konsumgesellschaft zeugen.
Gegen die Unmittelbarkeit des ständigen Stroms von Bildern (und Waren), der diese hypervernetzte Welt kennzeichnet, setzt er langsame künstlerische Herstellungsprozesse – Ölmalerei, Druckgrafik, Skulptur aus Ton oder Marmor – sowie deren sakralisierende Kraft, die imstande ist, Banalität in begehrenswerte Objekte zu verwandeln.
Die hyperrealistische Reproduktion der Welt und die Mise en abyme gehen einher mit einer Form von Tautologie, die offen mit der Konzeptkunst in Dialog tritt, jedoch von einer Ironie durchzogen ist, die den Künstlern dieser Bewegung fremd war.
Dieser Humor bringt zugleich eine Form von Zärtlichkeit zum Ausdruck, die der Künstler diesen gewöhnlichen und zugleich absurden Ereignissen entgegenbringt. Er legt sie seinem Publikum vor, um dessen Verhältnis zur Welt zu hinterfragen und letztlich eine erneuerte Aufmerksamkeit für die Realität und ihre Darstellung einzufordern.
Kevin Barois
Kevin Barois’ künstlerische Praxis ist eng mit einem alltäglichen Arbeitskontext verbunden. Derzeit ist er gemeinsam mit seinem Kollektiv in Projekten tätig, die sich auf Bau und Szenografie konzentrieren, wobei insbesondere Schreinerei und Malerei aufeinandertreffen.
In diesen unterschiedlichen Umgebungen findet er eine Form von Schönheit im Nützlichen und Gewöhnlichen. Er widmet einfachen Formen, der Materialität sowie der Funktion und Struktur von Objekten besondere Aufmerksamkeit. Mit größtmöglicher Ökonomie der Mittel versucht er, Alltagsgegenständen ihre Präsenz zurückzugeben.
Kevin Barois interessiert sich zudem für die intime Beziehung, die sich zwischen der oder den ausführenden Personen, dem Ort und der Konstruktion selbst entwickeln kann.
DIALOGUE
DIALOGUE ist ein Künstlerresidenzprogramm in Wiltz, das Kreativen aus unterschiedlichsten Disziplinen Raum bietet, sich intensiv mit ihrem künstlerischen Prozess auseinanderzusetzen.
Im Zentrum des Konzepts steht die temporäre Umnutzung leerstehender Gebäude in Wiltz, die den Künstlerinnen und Künstlern einen flexiblen und inspirierenden Rahmen für ihre kreative Entwicklung bietet. Ein besonderes Merkmal des Projekts sind die von COOPERATIONS angebotenen Inklusionsworkshops, die Unterstützung und Begleitung bei der Umsetzung der Projekte gewährleisten.
Als ortsflexible Residenz fördert DIALOGUE den Austausch zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und der Stadt Wiltz, die als kulturelles Zentrum des Programms positioniert wird. Die Residenz schlägt eine Brücke zwischen nationalen und internationalen Perspektiven und verbindet künstlerische Visionen mit lokalen Geschichten und Kontexten.
DIALOGUE versteht sich als dynamische Plattform, die den kulturellen Austausch fördert und als lebendiger Begegnungsort dient, an dem Kunst, Gemeinschaft und Raum in einen fortwährenden Dialog treten.
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